Sommer auf Rügen (4)

Diese merkwürdige Ähnlichkeit zwischen dem alten Steiner und Professor Sander brachte Regina Zölis ins Grübeln. Sie würde die nächsten Tage ohne Plan auf Rügen verbringen, weil das Hotel ja nun schon bezahlt war und der Kommissar sie darum gebeten hatte, sich zur Verfügung zu halten. Fräulein Zölis hielt es für die beste Strategie, die Polizei nach Kräften zu unterstützen, um im Gegenzug vielleicht Schonung heraushandeln zu können, wenn herauskäme, dass sie mit ihrer anrüchigen Tätigkeit den Staat um Steuereinnahmen brachte.

Also versuchte Sie, die Tage zu genießen, soweit das mit den Erinnerungen an den Ermordeten an ihrem Tisch möglich war. Gleichzeitig versuchte Regina sich ihren eigenen Reim darauf zu machen, was ihr ehemaliger Freier mit dem toten Professor zu tun haben konnte. Offensichtlich hatte es etwas mit dem Stichwort Reinkarnation zu tun, sonst hätte der Inspektor nicht danach gefragt.


Bist du traurig? Die Worte rissen Regina Zölis aus ihren grüblerischen Gedanken. Vor ihr stand ein Mädchen, vielleicht fünf Jahre alt, strohblond und sah sie mit besorgter Miene an. Du siehst aus, als weinst du gleich. War das dein Papa, den sie totgeschossen haben?
Die junge Frau musste lächeln. Nein, ich bin nicht traurig. Und das war auch nicht mein Papa. Ich hab den Mann gar nicht gekannt.
Die Miene des Mädchens hellte sich auf, sie drehte sich um und lief davon, zurück an den Tisch von Mama und Papa. Tschüss!

Mit Blondchen, so hatte sie die Kleine für sich genannt, freundete sich Regina Zölis in den folgenden Tagen an. Das Mädchen war ein bisschen einsam, weil keine anderen Kinder in passendem Alter im Hotel waren. Deshalb suchte es Kontakt bei der jungen Frau, die sie am ehesten an ihr Au-Pair zu Hause in der großen Stadt erinnerte. Sie hieß Tanja Winter und kam aus Wiesbaden. Regina und Tanja verbrachten nun täglich ein paar Stunden gemeinsam mit Spaziergängen, Vorlesen oder Kartenspielen.
Als die Eltern die Fremde zunächst vor der Zudringlichkeit ihrer Tochter befreien wollten, winkte Regina ab. Sie sei froh, ab und zu aus ihren Gedanken gerissen zu werden. Wenn ihr Tanja zu anstrengend würde, werde sie sich schon melden.


Weniger Probleme als erwartet bereitete Regina Zölis das Gespräch mit Inspektor Sonderburg. Sie hatte beschlossen, zunächst über den Hintergrund ihrer Reise zu lügen, um die Polizei nicht direkt mit der Nase in ihren Dreckhaufen zu schubsen. Erst wenn Andeutungen über ihr Scheinleben fallen würden, wollte sie mit der ganzen Wahrheit herausrücken.
Also konnte sie auch nichts über die Ählichkeit des Opfers mit ihrem Auftraggeber verraten. Sie beharrte auf der Version, Sander am Frühstücksbuffet kennengelernt zu haben, versuchte jedoch alle Fragen des Beamten, die sich auf den Tathergang bezogen, so detailliert wie möglich zu beantworten.

Tatsächlich konnte sie nun ohne jeden Zweifel bestätigen, dass jemand hinter dem Stuhl Sanders vorübergegangen war, als dieser mitten im Satz abbrach und in sein Rührei kippte. Aber sie habe nicht auf den Passanten geachtet, weil ihre Konzentration vollständig durch den Zusammenbruch ihres Tischnachbarn beansprucht worden sei.

Was wissen Sie über die wissenschaftliche Arbeit des Opfers, Frau Zölis? Sonderburg versuchte, das Thema noch einmal unvermittelt von vorne aufzurollen. Was studieren Sie selbst denn eigentlich?
Tourismus. Ich habe mit den Naturwissenschaften nicht viel am Hut, Herr Inspektor. Über den ganzen Reinkarnationskram weiß ich nichts, und das Thema interessiert mich auch nicht sonderlich. Esoterische Phänomene oder Theorien sind nicht unbedingt meine Welt. Ich mag es handfest.

Bei allem anfänglichen Misstrauen war Mathias Sonderburg nun doch geneigt, der Frau ihre Geschichte abzukaufen. Hauptgrund dafür war vielleicht die Vermengung beruflichen und privaten Interesses Sonderburgs an der Person der Regina Zölis. Ihre Bodenständigkeit und Ablehnung des ganzen Humbugs ließ die junge Frau in den Augen des Beamten noch attraktiver erscheinen, als sie es rein körperlich bereits war.
Er würde die Krüger nochmal auf Zölis ansetzen, nur um sicher zu gehen. Den Täter würde er selbst inzwischen in der Kollegenschar des Getöteten suchen.


Als sich der Kommisar von ihr verabschiedet hatte, sah ihm Regina Zölis noch lange nach. Was hatte es mit dieser verdammten Reinkarnation auf sich? Sie hatte Sonderburg nicht belogen: Sie brachte weder religiösen, noch ethischen oder weltanschaulichen Fragen echtes Interesse entgegen. Jetzt aber würde sie sich wohl oder übel einmal damit befassen müssen.

Was hat Ihnen Herr Steiner eigentlich gesagt? Wen sollten Sie hier treffen?

Wie von der Tarantel gebissen fuhr Regina Zölis herum. Hinter ihr stand ein junger Kellner, der dabei war, ihren Tisch abzuräumen. Ganz offensichtlich kam die völlig unerwartete Frage aus seinem Mund.

Warum?

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