Das Interview

Um die Ecke ist also eine Neue eingezogen, die Schickse. Die meisten Bewohner der Gegend werden das noch nicht einmal bemerken. Und wenn doch, dann wird es ihnen gleichgültig sein. Es wird ja soviel gebaut hier im Cyberspace, dass man den Überblick längst verloren hat. Aber ein paar Nachbarn werden sich vielleicht doch dafür interessieren, wer diese Schickse ist.

Am schnellsten lernt man einen Unbekannten kennen, wenn man ihm Fragen zur Person stellen darf, meint der Mister. Da ist was dran. Warum also interviewen Sie mich nicht einfach?

Leser: Siezt man dich, oder duzt man Sie?
Schickse: Das ist mir herzlich egal. Ich nehme es, wie es kommt. Meine Eltern haben mich jedoch dazu erzogen, unbekannte Erwachsene mit Sie anzusprechen. Als wohlerzogene Tochter halte ich mich auch jetzt und hier an diese Regel, solange mir nicht vom Einzelnen das Du angeboten wird.

L.: Gut. Wie heißt du im richtigen Leben, wie alt bist du, wo wohnst du?
S.: Bitte die nächste Frage…

L.: Du bist also schüchtern? Und lebst deine exhibitionistische Ader hier unter dem Deckmantel der Anonymität aus?
S.: Schüchtern? Ich? Gleich gibt es eins auf die Nuss, mein lieber Leser. -- Ich werde weder hier an die Wand schreiben, welcher Name und welches Geburtsdatum auf meinem Ausweis steht, noch irgendwelche Fotos von mir veröffentlichen. Tatsächlich gehen mir so manche Blogbeiträge in Hinsicht auf die Privatsphäre zu weit. Niemals würde ich wie Herr MC Winkel über den Mittelstrahl schreiben, selbst wenn der Text die Intimität des Themas lustig überspielt. Auch Outings wie die der drei Frauen, die ich bei De-scriptiv entdeckt habe, würden mir in aller Öffentlichkeit trotz relativer Anonymität nicht über die Lippen kommen, respektive aus der Feder fließen.
Nenn mich also ruhig schüchtern, wenn es das ist, was du damit meinst. Lass dich doch einfach überraschen von dem, was ich hier ausleben werde.

L.: Also gut, dann muss ich wohl auf weniger verfängliche Fragen zurückgreifen. Welche Eigenschaften schätzt du bei einem Mann am meisten?
S.: Ehrlichkeit. Und Achtung vor sich selbst und anderen.

L.: Und welche Eigenschaft schätzt du bei einer Frau am meisten?
S.: Ehrlichkeit und Achtung vor sich selbst und anderen. Ich mache in charakterlicher Hinsicht keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

L.: Welche Fehler entschuldigst du am ehesten?
S.: (lacht) Ich befürchte, meine eigenen.

L.: Du bist also noch so eine Egomanin, die in ihrem Blog einen auf Intellektuelle macht und dabei doch nur die eigene Eitelkeit befriedigt?
S.: Ein bisschen egoman muss wohl jeder sein, der in der Weite der Netzwelt seine eigene Persönlichkeit publik macht. Was sonst würde die Menschen zu dieser Form der Öffentlichkeit treiben?
Eitel bin ich ganz bestimmt auch. Ich stehe morgens definitiv zu lange vor dem Spiegel.

L.: Was ist dein Hauptcharakterzug?
S.: Ich gehe den Dingen gerne auf den Grund. Man kann das unfreundlich auch Penetranz nennen. Nur für den Fall, dass du mich gleich nach meinen größten Fehlern fragen willst.

L.: Schon gut. Sonst noch irgendwelche Mängel?
S.: Meine Freundinnen würden sagen, ich kann nicht kochen. Meine Freunde sicher auch. Ich kann das gar nicht nachvollziehen. Bin ich uneinsichtig?

L.: (lacht) Das kann wohl sein. -- Fernsehen oder lesen?
S.: Lesen.

L.: Sport oder Shopping?
S.: Sport. Aber nur deshalb, weil ich an Einkaufsbummeln keine große Freude habe.

L.: Nicht kochen, nicht fernsehen, nicht einkaufen? Bist du überhaupt eine Frau?
S.: Sieht man das denn nicht? Ach, Verzeihung, das geht ja hier gar nicht. Dann wirst du dich wohl auf mein Wort verlassen müssen. Oder auch nicht.
Aber tatsächlich sagt meine Mutter, dass ich schon immer anders war als andere Mädchen. Offenbar habt ihr die gleichen fragwürdigen Vorstellungen von Frauenrollen, du und meine Mutter.

L.: Das musste ja jetzt kommen. Machen wir weiter. Deutschland oder Ausland?
S.: Du meinst das in Bezug auf Reisen? Ich fahre im Urlaub gerne weit weg. Dabei liegt die Betonung aber sehr stark auf dem Wort fahren. Fliegen kommt für mich nicht in Frage, das vertrage ich überhaupt nicht. Gern mag ich die Mittelmeerregion zwischen Gibraltar und Neapel.
Ich könnte mir auch gut vorstellen, im Ausland zu leben. Daraus mache ich aber keinen Fetisch. Jedes Land, jede Gegend, jeder Ort hat Vor- und Nachteile.
Womit ich überhaupt nichts anfangen kann, ist Deutschland im Zusammenhang mit Patriotismus. Auch wenn ich den strikt von Nationalismus trenne. Ich mag Deutschtümelei genau so wenig wie patriotische Auftritte unserer europäischen Nachbarn, oder gar der Amerikaner.

L.: Apropos, was machst du heute um 17 Uhr? Wer wird Weltmeister?
S.: Was das Thema Fußball angeht, bin ich typisch weiblich. Ich mache mir nicht viel daraus, und der Rummel um die WM geht mir inzwischen gehörig auf die Nerven.
Heute Nachmittag werde ich aber trotzdem das Deutschlandspiel ansehen. Allein schon um Maradonna herumhampeln zu sehen. Das soll fabelhaft sein, haben mir Freunde erzählt. Überhaupt interessieren mich bei Fußballübertragungen am meisten die Kameraschwenks über die Zuschauer.
Weltmeister wird bestimmt Brasilien. Leider.

L.: Warum sagst du leider?
S.: Ich finde die brasilianischen Spieler überheblich. Und sie sehen überhaupt nicht gut aus.

L.: Welcher Mann sieht gut aus?
S.: Roger Moore als James Bond und in seinen Rollen als Simon Templar oder als Lord Sinclair in Die Zwei. Ein Charmeur.

L.: O la la! Liebe Schickse, ich bedanke mich für das Gespräch.
S.: Ich habe zu danken für deine Ausdauer und Geduld.

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